Nehmt den Kindern das Kommando …

dudeGesellschaft ist ein sich verändernder Prozess. Das wissen wir alle.
Und je mehr man sich ihr anpasst, desto einfacher erscheint es, darin einen Platz zu finden. „Wenn man sich gesellschaftskonform verhält, hat man es leichter.„, ist vermutlich eine Aussage, die dir (vor allem in der Netzwelt) fast jeder unterschreiben würde.
Weil wir alle gegenan sind? Weil wir alle so unkonform leben wollen wie möglich? Sind wir nicht alle was besonderes und oft besser als andere?

Vor ein paar Wochen hatten meine Frau und ich ein wundervolles Wochenende lang Besuch von Freunden (zufälligerweise bekannt als Pseudoerbse und Celilander) und am Frühstückstisch kam eine kleine unscheinbare Diskussion auf: Wieviel „kindliches/jugendhaftes“ Verhalten sollte man sich bewahren?

In meinen Augen ein sehr scharfes zweischneidiges Schwert. Als Kind und Jugendlicher sehnt man sich sehr häufig die Unabhängigkeit des Erwachsenenlebens her und als Erwachsener träumt man wieder vom verantwortungsfreien Dasein als Minderjähriger. Ein Klassiker.
Wenn man die Augen an bestimmten Stellen schließt, kann man beides zur gleichen Zeit haben. Als junger Erwachsener ganz am Anfang dieses Jahrhunderts, habe ich versucht so ein Leben zu führen. Pflicht und Verantwortung weit weg vom Körper. Die Wäsche von Mutti waschen lassen, aber in einer eigenen Wohnung hausen. Leere PET-Flaschen hinter der Couch, also auch hinter dem eigenen Sichtfeld, lagern. Gelegenheitsjobs besorgen und verlieren. Doch wieder zur Schule gehen. Dann doch wieder Sozialamt. Dann doch wieder Schule. Zwei Semester Literaturwissenschaften. Dann doch wieder Sozialamt.

Wer ist erwachsen?

Selbst auferlegte Scheuklappen haben mich über Jahre davon abgehalten mich selber als erwachsenen Mann wahrzunehmen. Versteht mich nicht falsch, so viel Cola wie man will und bis spät in die Nacht auf Zombies schießen, bereitet mir Freude und es würde mir schwer fallen darauf zu verzichten … Allerdings schwirren in meinem Kopf bereits andere Gedanken und Fragen umher und das nicht erst seit dem Frühstücksgespräch:
Wer sind denn eigentlich die Erwachsenen in dieser Welt? Was sind Kinder, wenn wir alle auch welche sein wollen?

Erwachsene sind (in simpelster und offensichtlichster Definition) erstmal all die Menschen, die eine Generation über uns durch das Leben schreiten. In meinem Fall ist das dann schon seltsam, weil man bei Generationen ja von einem Altersunterschied von 25 Jahren spricht und zu behaupten, dass Erwachsensein von meinem Standpunkt aus, erst mit 58 Jahren beginnt, ist mehr als bloß skurril.
Mir geht es in meinen ganzen Überlegungen zu diesem Thema aber auch eigentlich gar nicht darum, wen ich wie als Erwachsenen definieren will, sondern mir geht es um die Folgen der immer häufigeren Ablehnung sich selbst als Erwachsen zu bezeichnen.

In einer Welt ohne Erwachsene …

… oder kennst du die Monster aus ‚The Last of us‘?„, fragt mich René (8) in einem Gespräch über The Walking Dead, bei dem ich versuche zu erfahren, wieviel er wirklich davon gesehen hat. „Die sind gruselig!“
Ach? Hast du eine PS3? Wusste ich gar nicht!?„, hake ich nach, um zu erfahren, wie und wo er das Spiel gesehen hat.
Nein, das spielt Daniels Papa immer wenn ich da bin …„, erklärt er.
Aha, und ihr sitzt dann daneben und guckt zu?
Ja, bis er sagt, dass wir nerven und dann schmeißt er uns aus der Wohnung.

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Dieses Beispiel lässt sich auf vieles übertragen. Ich kenne beispielsweise Kinder, die mir die Folterszenen aus GTA V sehr detailiert erklären können, weil sie neben ihrem Vater oder ihrem großen Bruder zugeschaut haben. Wenn 8jährige sich zuhause Filme „FSK 12“ angucken dürfen, bin ich schon lange nicht mehr verwundert.

Der Trend, dass man alle Vorteile aus etwas zieht und alle Nachteile ignoriert, akzeptiert oder (im schrägsten Fall auf andere Art und Weise) kompensiert, ist ja schon länger auf dem Vormarsch.
Ich bin dick und hässlich. Außerdem habe ich nur noch die Hälfte meiner Zähne … und ich bin doch erst 25 Jahre alt!? RTL2, bitte hilf mir!„, ist in bestimmten Gesellschaftsschichten tatsächlich Argumentationsgrundlage. Ich fahre den Karren in den Dreck, andere kommen und ziehen ihn raus. Ganz bestimmt. Irgendwann.

Das ist zwar ganz klar ein kindliches Verhaltensmuster, aber ich schweife ab.
Die meisten Menschen in meinem Alter (+/- 10 Jahre), sträuben sich gegen die Aussage, dass sie nun erwachsen seien. Woran liegt das? Wann wurde „Erwachsen sein“ zu etwas, das keiner sein will?
Ist man nicht mehr erwachsen, weil man es kann? In dieser Welt verlangt ja keiner mehr, dass wir als mündige Bürger, von dieser Mündigkeit auch noch Gebrauch machen. Viele Interessensgruppen sehen es sogar sehr gerne, wenn die Zielgruppe der „Sendung mit der Maus“ eigentlich bei Ü40 liegt.

Wo gehen dann die Kinder hin?

Wenn eine Vielzahl von erwachsenen Menschen sich damit brüstet, dass sie noch ein großes Kind seien, was macht das dann aus deren Kindern? Gibt es einen Zusammenhang zur immer weiter voranschreitenden Hilflosigkeit in Familien? Wenn sich Eltern plötzlich auf Augenhöhe mit ihren Kindern stellen und dort bleiben … was dann?

Durch meine Arbeit weiß ich was folgt:
Kinder haben einen enormen Willen. Das sieht man in den Momenten, in denen die Quengelware an Supermarktkassen wirkt. Quengelware ist eine Erfolgsgeschichte, weil Eltern keine Lust auf Diskussionen mehr haben und das ganz besonders, wenn sie wenige Sekunden davon entfernt sind eine ungeliebte Situation zu beenden. Der Ausgang ist nah. Man kann ihn sich mit einer pinken Hello-Kitty-Zuckerbombe stressfrei kaufen.
In immer mehr Familien haben die Kinder das Kommando. Wenn Eltern ihre Kinder zurecht weisen, sind sie die ersten die nachgeben. Kinder bestimmen wann sie ins Bett gehen. Kinder bestimmen, ob es nicht doch besser ist, wenn sie krank zuhause bleiben. Kinder bringen andere Kinder einfach zum Spielen mit nach Hause und bestimmen, dass diese auch mitessen.
Das klingt vor allem für Pädagogen und Sozialarbeiter nach nichts neuem und auch Menschen in anderen Berufsfeldern haben sicherlich schon Beobachtungen gemacht, die diese These bestätigen.

Die Gesellschaft schafft Kompromisse ab.
Kinder sind nicht mehr die Kinder, sondern Freunde und Partner.

Wie spielt gesellschaftliche Entwicklung mit hinein?

Wenn man es ganz scharfzüngig ausdrücken möchte, könnte man sagen, wir entwickeln uns zurück und verfallen in eine steinzeitige Triebhaftigkeit, die wir nicht mehr unter Kontrolle bekommen. Es geht nur noch um „Ganz oder gar nicht!“, um „Effizienz!“ und um „Wachstum!“. Höher. Schneller. Weiter.
„Meine Kinder sollen es mal besser haben als ich!“, war jahrelang ein Leitsatz unter Eltern der Nachkriegsgeneration. Ich wüsste derzeit nicht mal, was das für meine Kinder bedeuten könnte.
Was genau fehlt mir denn? Essen? Kleidung? Schlaf? Hab ich.
Und wenn ich jede Stufe der maslowschen Bedürfnispyramide anschaue, sage ich immer „Hab ich.“, „Hab ich.“ und „Hab ich.“, weil mir alle Türen offen stehen.

Aber was davon hab ich wirklich? Und wieviel Luft nach oben ist wirklich noch frei?

Auf der anderen Seite … 

Auf der anderen Seite habe ich derzeit gute Freunde in meinem Alter, die in Familie investieren. Kinder. Hausbau. Schuften für den Lebenserhalt von anderen Menschen.
Die Situation hat sie zu Erwachsenen gemacht. „Du bist, was du schaffst!“
Im Vergleich zu denen, sind die meisten von uns bockige Pubertierende.
„NEIN! NEIN! NEIN! Mein Erwachsensein nehme ich nicht in Kauf!!“
Moderne Suppenkasper, die ihre Suppe nicht löffeln wollen … bis sie am Ende vom Stuhl fallen.

Also, liebe/r Leser/in … werd erwachsen, ey!

PS: René (8) hat gemeinsam mit seiner Mutter (31) die komplette erste Staffel The Walking Dead gesehen … seine Leidenschaft für Zombies hatte sie kurz davor mit „Shaun of the dead“ geweckt.

8 thoughts on “Nehmt den Kindern das Kommando …

  1. Als jemand der sehr früh erwachsen werden musste und dabei ziemlich ins kalte Wasser geworfen wurde kann ich nur sagen: Meine Jugendzeit empfinde ich tatsächlich weniger mit Freiheit, als mit Abhängigkeit, weswegen ich dahin nicht zurück möchte. Viel lieber hätte ich jemanden gehabt, der mir diese Erwachsensein beibringt und mir den Mut macht, mein Leben in die Hand zu nehmen.
    Nun ja, da ich es nicht hatte, hoffe ich, dass ich das mal an jemand anderen weitergeben kann.

    Ansonsten danke für diesen schönen nachdenklichen Text.

    • Ja, einen Erwachsenwerd-Mentor hätte vermutlich jeder gerne an seiner Seite.
      Aber ich finde, dass gerade der Sprung ins kalte Wasser diesen Prozeß nicht nur beschleunigt, sondern auch ergiebiger macht.
      Wenn ich bedenke, dass ich, als Kind einer alleinerziehenden Mutter, mit „gutem Essen“ eigentlich immer Tütensoßen und Pizza in Verbindung bringe, war es doch schon ein sehr mühseliger Akt, sich von den beigebrachten Ernährungsansichten meiner Mutter zu distanzieren. Mittlerweile lernt sie (wenn auch störrisch) eher von mir.

      Danke für den Kommentar und dir einen schönen Wochenstart.

  2. Ich finde auch, dass Erwachsenwerden gut und wichtig ist. Man muss ja nicht gleich der personifizierte Bausparvertrag werden, aber Geld verdienen und persönliche Freiheit zu tun was man will (und sei es halt mal saufen und zocken usw.) kommt auch mit Verantwortung sich selbst und anderen (auch Kindern) gegenüber. Das ist nichts schlimmes, das gehört einfach dazu. Fänds gut, wenn das alle realisieren würden. Erwachsenwerden wäre übrigens wesentlich einfacher, wenn es wirklich automatisch mit 18 oder so passiert, so wie man es sich damals auch mal vorgestellt hat… bei mir wars aber wohl etwas später. Da gab es dann etwas, wobei eh keiner hätte helfen können und dann musste ich da mehr oder weniger alleine durch. Und da kam ich auch durch und kam erwachsen wieder raus. Und trotzdem mach ich noch relativ viel „kindischen“ Kram, ernähre mich falsch und der ganze Quatsch. Aber man muss sich einfach Gewahr sein, dass es so ist und Verantwortung übernehmen, dann passt das schon.

  3. Die Kassensituation liebe ich. Entweder es wird erwartet, dass du deinem Kind eine runterhaust, damit es ruhig ist, oder du kaufst das was es möchte. Hauptsache es ist Ruhe. Mein Geheimtipp einmal nein und dann ignorieren kommt da nicht so gut an.
    Und du musst dem Kind ja eigentlich auch erklären warum nicht und am besten an der Kasse auf die Kniee gehen damit du auf Augenhöhe bist (haste das nicht so gelernt, oder ist das nur unser Bildungsplan?).
    Ich bekomme Rückmeldungen zu meiner Erziehung von sei doch nicht so streng, bis du greifst nicht genug durch. Das verwirrt mich aber nicht genug um was zu ändern (Wozu auch bis jetzt entwickelt er sich bombe).
    Wenn ich sage mein Sohn geht 19 Uhr ins Bett und da bleibt er auch, muss ich mich dafür rechtfertigen, oder ich werde gefragt wie ich das mache.
    Ich gehöre auch zu den Menschen die sich erstmal nicht als erwachsen fühlen. Ich denke bei mir ist da viel Luft nach oben. Aber in Sachen Kindererziehung bin ich schon der Meinung das ich nicht Kumpel bin sondern die olle Mutter die zwar schon Kompromisse eingeht und einmal umgestimmt werden kann, aber letzten Endes doch bestimmt.
    Das wir in alte Triebhaftigkeit zurück fallen empfinde ich aber nicht so. Es ging schon immer um höher, schneller, weiter. Und das wird sich meines Erachtens nicht ändern.
    Über den Rest muss ich jetzt erstmal nachdenken.
    oder ich spiel ne Runde 😛

    Gruß Pudel

  4. Dieses „Erwachsensein“ ist für mich die Fähigkeit ein möglichst beständiges, gewissenhaftes und schön gestaltetes Leben zu verbringen und dabei achtsam mit meinen Mitmenschen und meiner Umwelt umzugehen.
    Werte wie Respekt und der maßvolle Umgang mit „allerlei, was wir verbrauchen“ möchte ich an meine Kinder vermitteln. Von Zuhause habe ich selbst nur das mitbekommen, das mich auf den Weg in diese Richtung geschickt hat. Meist in Form von Negativbeispielen.
    Kassensituationen oder dergleichen, wenn wie heute z.B. ein ca. Fünfjähriger seine Mama/Oma so lange anschreit und schlägt, bis sie ihm endlich kauft, was er möchte, tun mir meist weh. Wenn ich solche Situationen privat erlebe, werde ich oft ärgerlich und fühle mich versucht mich einmischen. Auf der Arbeit an der Förderschule oder ambulant bei den zu betreuenden Familien zuhause war ich auf solche Erlebnisse irgendwie besser eingestellt, eben gelassener und wusste sie aus meiner Ausgangsposition viel besser zu managen. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich mich dort dazu berechtigt gefühlt habe zu helfen oder ebendies zu versuchen. Auf der Straße fühle ich mich in der Rolle der passiven Zwangszuschauerin gefangen. Wie schrecklich, wenn Papa/Mama sich einfach nicht durchzusetzen wissen und man wiedermal mit ansehen muss wie alle Beteiligten leiden!
    Das Vorgeben und Vorleben ist meiner Meinung nach ebenso unabdingbar für das Erziehen eines selbstständigen, gesunden Menschen, wie das richtige Maß an Freiheit und Entgegenkommen. Von einer Generation in die nächste dringend benötigte Stücke Lebenskompetenz zu geben ist echt nicht leicht. Man muss immer wieder hinterfragen, jede noch so simpel erscheinende Alltagssituation. Aber dieser Aufwand lohnt sich so dermaßen! Das sehe ich jeden Tag aufs Neue an meinem Sohn (8). An ihm merke ich wie schnell sich der Charakter eines Kindes in eine andere Richtung entwickeln kann, wenn man, nach Jahren der eigenen Orientierungslosigkeit, um einiges gewissenhafter und konsequenter erzieht.
    Wenn andere Eltern hören wie selbstständig, hilfsbereit und umgänglich mein Kind mit uns im Alltag ist, werde ich meist irritiert oder gar ungläubig angesehen. Ja, mein Kind geht jeden Abend, ohne Aufstand, um 20 Uhr ins Bett, nachdem er sich gewaschen, umgezogen und in seinem Zimmer für Ordnung gesorgt hat. Nein, er schaut bei uns kein Fernsehen und fragt auch nicht danach. Er bettelt an der Kasse nicht nach Süßem oder Zeitschriften ect. Wenn überhaupt wird einmal gefragt, einmal geantwortet, dann ist alles klar.
    Bis hierhin war es und wird es weiterhin ein weiter, steiniger Weg aber ich fühle mich mit jedem Tag, den ich meinen Sohn glücklich in diese Richtung gehend erleben darf, mehr als entlohnt. Diese positive Entwicklung habe ich nicht zuletzt meinem, mich motivierenden und bestärkenden Partner zu verdanken.
    Sprüche wie: „Sei doch nicht so streng!“ kommen meiner Erfahrung nach meist von Eltern, die bei ihren Kindern Respekt und dergleichen missen (sollten).
    Danke dir für diesen wichtigen Text.
    Lieben Gruß, Rina

  5. Also bei meinen Eltern war es üblich, dass unsere Freunde am Tisch saßen und mit gegessen haben.

    Weniger weil wir das entschieden hätten, sondern viel mehr, weil meine Eltern allen Kindern ein zu Hause geboten haben, wenn sie bei uns waren. Irgendwie war das immer selbstverständlich, dass wir das Privileg hatten, jemanden mitzubringen, der dann auch kommentarlos und selbstverständlich wie ein eigenes Kind mitversorgt wird. Ich hab das nie als Befehlsgewalt über meine Eltern empfunden, zumal meine Mutter deutlich sagte, dass sie uns beim Festigen unserer Freundschaften auf diese Weise unterstützt, wir dann aber auch mit dem entgegen gebrachten Vertrauen überlegt umgehen sollten.

    Zur heutigen Zeit würden wir vermutlich anrufen und ankündigen „Marcel bleibt heute bis zum Abendbrot, wenn das ok ist?“, damals hatten meine Eltern noch kein Telefon.

    Ich hatte während meiner Schulzeit 4 Freundschaften. 3 von denen waren außerhalb von Geburtstagsfeiern mal bei mir zu Besuch. Ich würde sagen: ich bin sehr sorgfältig geworden, was meine Freunde betrifft. Und im Grunde sehr dankbar für diese Lektion, dass man nur gute Freunde in Herz und Küche lässt.

    Von daher verstehe ich an dieser Stelle die Kritik nicht so ganz. Oder ist damit gemeint, dass Kinder willkürlich einfach jeden mit nach Hause bringen?

    • Hallo.
      Entschuldige die späte Antwort, aber mich hat die ein oder andere Erkältungs- und Grippewelle dahingerafft.
      Mir ging es nicht um „Man bringt jemanden mit nach Hause.“, denn so war es in meiner Jugend auch. Meine Freunde haben sich bei uns wohlgefühlt und darum waren sie sehr oft bei mir.
      Mir geht es darum, dass Kinder einfach machen, was ihnen passt. Selbst wenn bspw. ein Arzttermin ansteht oder eine wichtige Familienfeier. Entweder wird das dann sausen gelassen oder man bringt einfach jemanden mit. Es finden keine Absprachen statt und schon gar kein pädagogischer Hintergrund, wie es bei deinen Eltern ja scheinbar der Fall war.
      Oft kommen Grundschüler nach der Schule auch gar nicht nach Hause. Ich kenne Eltern, die würden erst gegen 19 Uhr bemerken, dass ihr Kind verschwunden ist.

      Im Großen und Ganzen geht es mir um eine gelehrte soziale Basis, auf die die Familien gebaut werden … aber die ist nicht mehr so selbstverständlich wie einst.

      • Macht nix, die hat uns auch hart im Griff gehabt die letzten Wochen 😉

        Vielleicht sollten „wir“ Familien, die wir uns für ne vernünftige, ausgeglichene Basis halten mehr solche Kinder zu uns nach Hause einladen, statt uns die Rosinen raus zu picken 😉

        Ich erleb schon in unserer Kita immer ein Aussuchen der Freunde durch die Eltern, man zieht mit den Machern mit, mit den „Guten“, mit den Leistungskindern, und da bleiben Kindern und Eltern gern unter sich…

        Ich find das schade, ich hab zwar auch so meine persönliche Ansicht zu der ein oder anderen Familie (oder besser: gegen den Umgang der Eltern mit ihren Kindern)… aber ich versuch das meine Kinder nicht spüren zu lassen, die sollen die anderen Kinder als Menschen kennen lernen und selber entscheiden, was sie wollen.
        Und unsere Kita unterstützt das zum Glück, die schmettern so gut wie jegliche Einmischung der Eltern knallhart ab (und ich meine wirklich hart… was die sich alles anhören müssen…).

        Sag mal, hast du schon mal was von ANE gehört?

        http://www.ane.de/

        Seit fast 7 Jahren bekomm ich nun schon deren Elternbriefe nach Haus, und ich liebe sie <3

        Einer der vorbereitenden Briefe auf das baldige Schulkind hatte das auch zum Thema. "Ich bin zwar schon groß, aber noch nicht Erwachsen!"

        Ich glaube, alle Eltern brauchen sowas, vielleicht hilfts ja bei deiner Arbeit, wenn ihr die zur Unterstützung auch bekommt? (wenn ihrs nicht schon verteilt)

        Ich hatte eigentlich gehofft, dass die Menschen gelernt haben aus den 50ern, wo alle Kinder kleine Erwachsene waren und drauf getrimmt wurden, den Elterlichen Betrieb zu führen… vielleicht sprachen unsere Eltern einfach zu wenig mit uns über ihre verletzten Kinderseelen und wir haben so vieles als gegeben hingenommen (hab ich jedenfalls inzwischen eingesehen, seit ich Kinder habe. Was meine Eltern für mich geschufftet haben!). Ist so schwer, da durch zu blicken…

        Ich hab da auch meine Erfahrungen sammeln müssen und so ziemlich nutzlos daneben gestanden… hart sowas… Man steht dann da und hofft, dass die Kinder halbwegs heil durch diese Zeit kommen, Menschen finden, an denen sie sich festhalten können und als Erwachsene die Chance haben, sich selbst zu heilen… aber das ist so bitter…
        Und die Tragik ist: man bekommt viel erst so wirklich mit, wenn man selber so weit in Problemen steckt, dass man sich um nichts anderes kümmern kann als um seine eigenen Angelegenheiten (und das ist kein first-world-Kommentar, ich war damals obdachlos, ich hatte wirklich keine Möglichkeit, aber dran denken tu ich noch nach Jahren immer wieder.)
        Sry., die Erwähnung vom nichtbemerken verschwundener Kinder hat da grad so ne Flut an Erfahrungen getriggert. Ich überreagier da manchmal.

        Ich hab so viel Respekt vor deiner Arbeit, ich wär da schnell schon ausgerastet oder zusammen gebrochen.

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