Vom Unvollender.

Wie gelingt er, der kunstvolle Einstieg nach einem ganzen Jahr Blogstillstand?

Das frage ich mich schon sehr lange. Eine Antwort darauf gibt es nicht.
Nur mehr Fragen. 
Also, Maul halten und einfach machen.

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Vor zwei Wochen habe ich per Instagram und Twitter von einem kleinen Kunstprojekt gesprochen, dem ich mein Wochenende widmen wollte. Frohen Mutes habe ich die Klappe wieder mal öffentlich sehr weit aufgerissen, obwohl ich mir selbst den Titel „Der Unvollender“ gegeben habe. 

Zugegeben, sehr theatralisch. Aber das Körnchen Wahrheit, welches sich dort verbirgt, liegt so glühend heiß auf meiner Seele, dass ich es selten wage anzufassen.

Manchmal habe ich dieses kleine Bauchgefühl, dass eine Idee, die sich plötzlich an der Innenwand meines Schädels manifestiert, vielleicht etwas besonderes ist. Leider weiß man, dass gerade die unkontrollierte Kombination aus Bauchgefühl und Hirnaktivität dazu führen kann, dass sich eine Idee ganz von allein negieren kann. Das passiert mir häufig.

Nicht so im folgenden Fall:
Als Sammelstelle für einen jährlichen Wohltätigkeitsflohmarkt ist meine Arbeitsstelle sowas wie eine Schatzkammer für alle möglichen Dinge. Gläser, Elektrogeräte, Möbel, Kleidung, Schallplatten, … Es gibt kaum etwas, das nicht vorhanden ist.
Dazu zählen auch eine Menge Bücher. Auch wenn ich versuche ein offenes Bücherregal für alle Besucher aufrecht zu erhalten, gibt es doch gerade aus dem Genre der „Teenager-Kriminal-Abenteuer-Romane der 80er“ viel Niewiedergelesenes. Vergilbte Seiten. Dachbodengeruch.

Auch nach den Flohmärkten liegen unzählige „Hanni & Nanni“ oder „Fünf Freunde“ Bücher herum, die dann in den Container wandern. Mir tut das immer ein bisschen Leid. Vor allem wegen der Illustrationen.

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Natürlich auch wegen der Geschichten, die ungelesen bleiben.
Die aktuelle Kinder- und Teenagergeneration wird vermutlich nie wieder in diese Art von Büchern reinlesen und die Verlage sehen keinen Grund mehr die alten Geschichten neu aufzulegen.

Vor ein paar Wochen musste ich wieder eine Bücherkiste auf den Dachboden schleppen und da ich es mir zur Gewohnheit gemacht hatte wenigstens mal zu schauen welche Schätze sich darin verbargen, um vielleicht sogar ins öffentliche Regal gestellt zu werden, bin ich auf eine alte Version von „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll gestoßen.

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Das Buch war wirklich zerlesen und hart dachbodengeschädigt. Der Einband war hinüber und einige Seiten kamen mir schon beim ersten Aufschlagen entgegen. Doch die dunkelhaarige Alice auf all den tollen Illustrationen im Buch, hat mich dann auf eine Idee gebracht …

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Also habe ich gewühlt, gekramt, gerissen und geklebt. Mehrere Stunden saß ich am Tisch und habe jedes Bild per Hand herausgetrennt, um dann die einzelnen Bücher zu einer 50×70 cm großen Gesamtcollage zusammen zu bringen.

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Gegen Ende der Aktion saß er mir wieder auf der Schulter … Der Unvollender.

Wie ein Puzzle ohne feststehendes Endergebnis, so kam mir diese Aktion vor und ich musste an den größten Dorn denken, den der Unvollender mir verpasst hatte: Das Zombietagebuch.

Aus einer Schulkunstaktion heraus entstanden, habe ich angefangen ein Tagebuch über eine Zombieapokalypse zu verfassen. Zugegeben, keine schriftstellerischen Meisterleistungen enthalten, ist es doch immer noch etwas, auf das ich sehr stolz bin, so unfertig es auch sein mag. Über Ebay habe ich dafür sogar Requisiten gekauft. Streichholzschachteln. Briefmarken. Ja, sogar das Replikat einer Polizeimarke.
Alle Zeitschriften mussten dran glauben. Bücher. Fotos. Am Ende habe ich sogar daran geschraubt und gesägt.
Aber irgendwann … Luft raus. Seitdem liegt es in einer Schachtel und ruft mich zwischendurch … und irgendwann … ja … vielleicht …

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Ich hab mir jetzt vorgenommen tiefer zu stapeln und zukünftige Ergebnisbilder aus meinem Hirn zu verbannen. Mein nächstes Projekt hat schon angeklopft und beginnt mit einer Dose voll mit Schrauben.

Aber erstmal findet die Collage ihren Weg in das Besprechungszimmer bei mir auf der Arbeit. Ich plane zwei weitere zusammen zu frickeln, um alle drei dort zu verewigen, wo derzeit drei furchtbare Kunstdrucke auf  Leinwänden baumeln, die ebenfalls ihren Weg über den Flohmarkt gemacht haben.

3 thoughts on “Vom Unvollender.

    • Schon okay … das fällt ja immerhin nicht gleich so auf, wie zum Beispiel …

  1. Tja was soll ich sagen. Dinge fertig stellen ist auch nicht grade eine meiner Stärken wie du sicher weißt. Man fängt an und dann irgendwie hat man nicht die Zähigkeit und Verbissenheit dran zubleiben. Was schade ist da ich von dir weiß das du durchaus n kreativer Kerl bist. Wenn du mal rauskriegst wie man das ändert…sag mir Bescheid. Das Zombie Tagebuch würde ich übrigens gerne lesen/erleben!
    Schöner Artikel btw 🙂

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