Warum ich niemals Partyfotograf werde …

Am Freitag war ich auf einer Hochzeit und wurde gebeten, nachdem die Fotografin das Fest verlassen hat, einige Bilder von den Festivitäten zu machen. Brav hatte ich also meine Kamera und geladene Akkus dabei.

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Bevor man dieser Geschichte hier folgen kann, muss man erstmal wissen wie ich generell gerne meine Fotos mache.

Alle meine Fotos entstehen ohne andere Menschen. Die Zutaten sind Kamera, Objektive, Kopfhörer mit Musik, Einsamkeit und Geduld (manchmal auch meine Freundin). Ich nehme mir die Zeit, wandere herum und wenn mein Blick an etwas hängen bleibt, dann überlege ich kurz was ich daraus machen könnte.
Wie beispielsweise bei diesem grünen Winzling, der aus einem frisch gefällten Baumstumpf spross:

Meist sitze ich dann direkt auf dem Boden oder hocke auf den Knien, um die richtige Position zu finden. Beim einzigen Filmseminar an der Uni, das ich jemals besucht habe, fiel das Zitat: „Wenn der Mensch mit der Kamera Schmerzen hat, dann ist die Position richtung und das Bild gut!
Ich mache dann auch nicht viele Bilder. In etwa 4 – 8 pro Motiv.

Manchmal habe ich natürlich auch Menschen vor der Linse und dann fällt mir immer wieder auf, für wie selbstverständlich ich selbst das Posieren vor einer Kamera nehme.

Sobald mich jemand ins Visier nimmt, beginne ich zu posieren.
YouTube-Krankheit.
Andere kennen das meist nicht und gerade Kinder sind vor der Kamera um einiges bewegungsfreudiger als ich immer angenommen hatte. Da kommt man mit dem manuellen Fokus nur beschwerlich hinterher.

Jetzt kommt für viele eine Info, die man mir oft nicht glaubt:
Ich habe überhaupt keine Ahnung von Kameras.
Mein „Talent“ beschränkt sich darauf Dinge aus einem bestimmten Blickwinkel zu sehen. Die Kamera ist nur mein Werkzeug, um euch daran teilhaben zu lassen.
Wenn ich mich hart damit auseinandersetzen würde, würde ich das sicherlich ändern können, aber ich komme sehr gut zurecht, so lange ich nicht mit anderen besserauseinandergesetzten Kamerabesitzern zusammentreffe. Dann wird es meist peinlich.

Natürlich hab ich einige Kniffe und Einstellungstricks mit meiner Kamera drauf und probiere immer wieder sehr viel aus, aber das reicht nicht, sich jemandem ebenbürtig zu fühlen, der sich über Objektive und Belichtungszeiten unterhalten will.

Zurück zur Hochzeit:
Gefeiert wurde in einem sehr dunklen Raum, der für die Stimmung sehr gut war … für meine Methode Bilder zu schießen (ohne Blitz) ein Graus. Als noch etwas Tageslicht durch die Fenster drang, habe ich durchaus noch das eine oder andere scharfe Bild mit einer hohen Iso-Einstellung hinbekommen, aber das war irgendwann einfach nicht mehr drin.
Nach dem Essen sprach mich der Brautvater an und übergab mir sein Blitzgerät. „Du bist ja für die Hauptfotos verantwortlich und den Raum bekommt man mit dem integrierten Blitz ja gar nicht genug ausgeleuchtet. Wieviele Bilder passen denn noch auf deine Karte?“ – „1.600 hab ich noch. Das wird also locker reichen.“ – „Ja? Ich hab noch zwei 16GB Speicherkarten für dich liegen. Sag einfach bescheid.“

Zu den Erwartungen des Brautpaares, denen ich meinen Fotoeinsatz als Hochzeitsgeschenk angeboten hatte, kamen also auch noch die Erwartungen des Vaters, der scheinbar im Plan hatte, dass ich gute 10.000 Bilder machte.
Leider hatte er mit dem Blitzgerät recht. Ohne war es eindeutig zu dunkel und mit dem internen Blitz kam ich einfach nicht weit. Also frickelte ich mir das ein wenig in den Einstellungen zurecht und verbrachte den Abend damit für meine Ansprüche völlig unzureichende Schnappschussbilder zu machen. Viele Bilder wurden unscharf, rote oder geschlossene Augen, offene ausgeleuchtete Münder, …
Mein persönlicher Lichtblick war dann allerdings das Fischaugen-Objektiv, das ich zufällig dabei hatte und den Effekt, den der Blitz mit sich brachte. So war meine Laune ein wenig besser.

Den gesamten Abend über habe ich mich einfach nur geärgert, aber ich sah einfach keine andere Möglichkeit und brauchte ein bisschen, um mir einzugestehen, dass ich mich eigentlich nur ärgerte, obwohl die Bilder meinen eigenen Ansprüchen nicht genügen sollten, sondern für das Brautpaar eine nette Erinnerung zu sein hatten.

Das HappyEnd der Geschichte beinhaltet ein Brautpaar, das die Bilder sehr gut findet und meine Dienste als Geschenk kaum annehmen konnten.
Party/Hochzeitsfotografen arbeiten ganz anders als ich. Die haben Ahnung von Licht und Technik und wissen Menschen zu animieren.
Dafür machen sie Fotos für andere … ich nur welche für mich.

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