Wie meine Fotos entstehen I

First things first:
Ich finde Menschen seltsam, die von sich behaupten „anders als Andere“ zu sein. Das erzeugt in mir gleich ein Gefühl von Abgrenzung. Nicht, weil ich mich sofort von so jemandem abgrenzen möchte, sondern weil er/sie es tut, obwohl es Fakt ist, dass wir eigentlich alle anders sind als andere. Jeder von uns ein Unikat. Selbst eineiige Zwillinge sind in der Regel Individuen… oder eben ein Doppelpack seltsamen Grusels.

Ich hole am Anfang kurz so weit aus, weil meine Wahrnehmung wohl manchmal ein wenig anders selektiert, als die der Menschen um mich herum. Vielleicht weil ich so genetisch konzipiert bin. Vielleicht weil ich einfach aufgrund von vergangenen Erfahrungen Eindrücke anders gewichte. Mir persönlich ist die Herkunft eigentlich ziemlich egal, weil ich es nur in den Momenten merke, in denen ich mich direkt mit anderen vergleiche.

Im Wald

Wenn ich beispielsweise in den Wald gehe, kann ich zwar auch die großen Bäume wahrnehmen und genießen, aber sie interessieren mich eigentlich nicht wirklich. Nur in seltenen Fällen mache ich wirklich ein brauchbares Foto von einem Baum.

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Was mich allerdings auf der anderen Seite sehr interessiert, sind alte Baumstümpfe oder Baumstämme, die mitten im Wald vor sich hinmodern. Ob nun von einem Sturm gefällt oder vom Förster mit der Kettensäge massakriert, ist in diesem Falle egal. Die Natur holt sich alles wieder zurück. This is where the magic happens.

 

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Jeder einzelne mit Moosen, Flechten und Farnen überzogene Stumpf ist für mich eine eigene kleine Welt. Oft ein kleines Plateau, das sich von dem umliegenden Waldboden extrem unterscheidet. Und auf jedes dieser Plateaus hat es eine andere Pflanzenart geschafft. Auf einigen wird noch um den dominanten Platz an der Sonne gekämpft.

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Die Rede ist hier auch nicht von besonders wilden Wäldern, denn die gibt es hier oben im Norden leider viel zu wenig. Ganz klassische kleine Spaziergehwälder, in denen sich vor allem Familien, Hundebesitzer und Nordicwalker herumtreiben. Eure Hausaufgabe für den nächsten Waldbesuch ist also klar: Sucht nach übermoosten Baumstämmen und lasst euch ein bisschen mitnehmen …

Am Meer

Schleswig-Holstein. Das Land der Horizonte.
Aber auch am Meer, an dem es ja eigentlich um die beruhigende Weitläufigkeit geht, selektiere ich. Wo andere die Nase im Wind haben und auf das Wasser über die Kante des Planeten schauen, wirke ich wie „Hans guck auf den Boden“. Was Moose und Flechten im Wald sind, sind Seepocken am Meer für mich.
Strandspaziergänger sammeln „schöne“ Muscheln und dekorieren nach ihrem Urlaub damit ihre Wohnung. Ich liebe das, was sie vermutlich niemals mitnehmen würden.

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Krebse, die sich kleine Häuser auf die Häuser von Muscheln bauen. Wie kann man das nicht cool finden? Ganze Städte, Burgen und Vulkane kann man entdecken und die Menschen sammeln saubere Muscheln … Völliges Unverständnis von meiner Seite. Mein Herz schlägt für die kleinen Ruinen, die an unsere Strände gespült werden … und ihre Herzen schlagen auch oft füreinander.

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Zugegeben, dies ist kein wirklicher Einblick darin, wie meine Fotos entstehen, aber ich hoffe ihr konntet immerhin einen kleinen Einblick darin gewinnen, wie ich meine Motive auswähle. Im folgenden Eintrag werde ich euch anhand des folgenden Bildes versuchen zu erklären, wohin ich genau schaue und wie ich vorgehe …

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2 thoughts on “Wie meine Fotos entstehen I

  1. Das sind wirklich wunderschöne und interessante Fotos. Ich merke schon, das wir in Bildern nach ähnlichen Dingen schauen.
    Einen anderen Aspekt, den ich auch immer wieder Interessant finde, sind nicht nur die Motive, wo sich die Natur etwas zurück holt, sondern auch die, wo Menschen geschaffenes zerfällt (alte Fabriken und sowas). Detailaufnahmen von zersplitterten Fensterscheiben mit rostigem Rahmen, oxidierten Metallrohren usw. Allgemein ist der Ort eher etwas abstoßendes, aber die Schönheit liegt dann dort im Detail.
    Ich sehe, da steht Teil 1. Na dann freue ich mich mal auf weitere Teile dieser Serie 🙂

    • Sehr geehrter Herr Jozze,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. (Der erste in diesem Jahr und ICH BIN GANZ AUFGEREGT!)

      Ja, von Menschenhand erschaffenes, das langsam zerfällt, finde ich ebenso interessant. Würde ich in Teilen Deutschlands leben, in denen man sowas häufiger findet, hätte ich daran sicherlich auch viel Freude. Leider gibt es das hier sehr selten und wenn, dann bleibt es sehr engmaschig abgesperrt.

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